Grundlogik unserer heutigen Wirtschaft

Diese Logik basiert auf der Grundprämisse, die auf Adam Smith zurückgeht:

Das Streben nach Eigennutz, Optimierung von Einzelwohl dient in Verbindung mit dem Wettbewerb, der auf Märkten ausgetragen wird, dem Wohl Aller. Kommt es dabei zu Störungen, reguliert sich das automatisch über den Markt. Obwohl Smith diese Prämisse selbst nicht so absolut gesehen hat, ist sie bis heute wesentliche Grundlage der Wirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik.

Dies hat dazu geführt, dass heute das Streben nach möglichst hoher Kapitalrendite das gesamte Wirtschaftsleben dominiert. Aus der Verpflichtung, möglichst viel Rendite zu erwirtschaften, resultieren fast alle negativen Erscheinungen unserer Wirtschaft:

Hohe Renditen und Erfolg im Wettbewerb erfordert die permanente Senkung der Produktionskosten. Der andauernde Druck, Kosten zu sparen, führt dazu, dass die Waren so billig wie möglich produziert werden müssen. Dies erfolgt sehr oft auf  Kosten der Warenqualität und der Umweltverträglichkeit und setzt die Lieferanten unter Druck, insbesondere, wenn der Hersteller oder die Handelskette eine monopolartige Stellung besitzt . Der Kostendruck führt auch zu einer Ausweitung der Leiharbeit und einer starken Vergrößerung des Billiglohn-Sektors. Die langen intransparenten Lieferketten erlauben die Verlagerung der Produktion einzelner Komponenten dorthin, wo auf der Welt am billigsten und mit dem niedrigsten Standard von Arbeitsschutz und Arbeitsbedingungen produziert werden kann.

Das Ziel, hohe Renditen zu erwirtschaften, macht es notwendig, permanent zu wachsen und vor allem die Massenproduktion zu steigern, damit die Fixkosten gesenkt werden können. Die Firmen müssen ständig neue Innovationen auf den Markt bringen, ob sie nun nützlich sind oder nicht. Auch aus einem volkswirtschaftlichen Grund ist das System gezwungen zu wachsen: Nur noch durch Wachstum können die durch Rationalisierung und Kosteneinsparung hervorgerufenen Arbeitsplatzverluste zumindest teilweise kompensiert werden. Andererseits gilt es als sicher, dass unser Planet ein allgemeines weltweites Wohlstandsniveau, wie es die reichen Industrieländer erreicht haben, ökologisch nicht verkraften würde.

Schliesslich ist die Orientierung an möglichst hohen Renditen mit der Möglichkeit der ungehemmten Kapitalakkumulation und damit Macht-Akkumulation auf Seiten der Kapitaleigner verbunden. Mächtige Lobby-Organisationen üben Einfluss auf die Gesetzgebung aus. Es ist ein gewaltiger Finanzmarkt entstanden, der die Realwirtschaft und die Politik dominieren und erpressen kann. Und der Staat, anstatt für das Gemeinwohl zu sorgen, muss Geld für die Bankenrettung bereitstellen oder lässt zu, dass Großunternehmen oder Vermögende sich der Steuerpflicht entziehen. Er veschuldet sich immer mehr, verarmt und muss an Bildungs-, Gesundheits- und Sozialleistungen sparen.

Die Rendite – Orientierung bedeutet heute nicht nur, dass private Gewinnoptimierung und Kapital-Akkumulation zugelassen wird, sondern dass sie – insbesondere unter den heutigen spätkapitalistischen Bedingungen – Grundvoraussetzung für Arbeit und Einkommen ist. Sie setzt viele Unternehmen auch unter Druck, die Spielregeln zu akzeptieren, andernfalls kann der Bestand des Unternehmens gefährdet sein.

Jede Maßnahme zu Gunsten des Allgemeininteresses, jede tiefergehende Einschränkung des freien Wettbewerbs, jeder Eingriff in die Unternehmenspolitik, z.B. was die Höhe von Manager-Vergütungen oder was Umweltschutzauflagen betrifft, kann Arbeitsplätze kosten und wird mit dem Argument abgewehrt, das sei „Gift für die im Wettbewerb stehende Industrie“.

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